Unzufriedenheit

Immer. Immer bin ich unzufrieden. Unzufrieden, weil ich es nicht schaffe, ordentlich zu sein. Unzufrieden, weil ich es nicht schaffe, dünn zu sein. Unzufrieden, weil ich es nicht schaffe, ich selbst zu sein. Ich lese andere Blogs, sehe Bilder von Menschen, die auch abnehmen wollen. Alle sind dünn. Alle sind so schön. Und ich, ich bin ein fettes Trampel, das nichts auf die Reihe kriegt. Ich esse doch immer wieder, obwohl ich es wirklich nicht will. Aber ich schaffe es nicht. Ich schaffe es nicht, der Versuchung zu widerstehen. Vielleicht bin ich einfach zu schwach um dünn zu sein. Vielleicht soll es nicht sein. Vielleicht bin ich auch ernsthaft gestört, weil das, was mir am meisten gefallen hat, als ich mal so dünn war, waren die Sorgen der anderen. Endlich habe ich einmal im Mittelpubkt gestanden. Natürlich nicht immer. Einmal kurz fragen: du hast angenommen oder? Ist alles ok? Das hat mir schon so sehr gereicht. Das hat sich so unbeschreiblich gut angefühlt. Am liebsten hätte ich immer weiter abgenommen. In erster Linier noch nicht einmal, weil ich dann dünn gewesen wäre, sondern weil ich etwas besonderes war. Ich würde gerne, dass meine Eltern sich so sehr um mich sorgen würden, dass sie mir mit Klinik drohen. Aber meine Eltern tun das nicht. Sie geben ihre ganze Fürsorge meinem Bruder. Ich habe immer die Starke zu sein. Vielleicht ist der Wünsch abzunehmen auch nur ein stummer Schrei nach Aufmerksamkeit. So Arm das auch klingen mag.

22.8.14 11:22

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